Pflegen in der Familie: Was Angehörige wissen und beachten sollten
Pflegen in der Familie beginnt oft schleichend: Man hilft mehr, übernimmt Verantwortung und stellt eigene Bedürfnisse zurück. Viele Angehörige geraten dabei an ihre Grenzen, ohne sich bewusst als pflegend zu erleben oder zu wissen, welche Unterstützung ihnen zusteht. Dieser Beitrag gibt Orientierung für Menschen, die Angehörige im Alter oder bei Krankheit begleiten: Er zeigt auf, ab wann man als pflegender Angehöriger gilt, welche Möglichkeiten bestehen – und worauf bei der Wahl einer geeigneten Organisation geachtet werden sollte.

«Viele Angehörige stehen irgendwann an einem Punkt, an dem sie sich fragen: Mache ich das Richtige? Zwischen Fürsorge, Verantwortung und eigener Belastung ist Orientierung nicht immer einfach.»
Dieser Beitrag lädt dazu ein, innezuhalten, hinzuschauen und sich mit den eigenen Möglichkeiten und Grenzen auseinanderzusetzen.
Wenn Helfen selbstverständlich wird – und Pflege zum Alltag gehört
Viele Menschen unterstützen im Laufe ihres Lebens ihre Partnerin, ihren Partner, ein Elternteil oder eine nahe Bezugsperson. Anfangs sind es kleine Handreichungen – beim Einkaufen, bei Terminen, bei der Medikamentenerinnerung. Mit der Zeit werden diese Unterstützungen regelmässiger und intensiver, bis sie den Alltag prägen. Oft geschieht dieser Übergang leise: Man organisiert Abläufe neu, übernimmt mehr Verantwortung und stellt eigene Bedürfnisse zurück, ohne es als «Pflege» zu benennen. Gerade weil dieser Prozess schrittweise verläuft, lohnt sich ein bewusster Blick: Bin ich bereits pflegende Angehörige oder pflegender Angehöriger – und was bedeutet das praktisch, emotional und rechtlich?
Ab wann ist man pflegender Angehöriger?
Als pflegende Angehörige gelten nicht nur nahe Verwandte, sondern auch Personen aus dem engen Lebensumfeld. Entscheidend ist nicht der Verwandtschaftsgrad, sondern die Situation: regelmässige und substanzielle Unterstützung sowie Verantwortung und Verbindlichkeit gegenüber der zu pflegenden Person. Pflegende Angehörige übernehmen Aufgaben, die über gelegentliche Hilfe hinausgehen – insbesondere Grundpflege wie Hilfe beim An- und Auskleiden, bei Körperpflege und Hygiene, bei Mobilität sowie beim Essen und Trinken. In der Praxis übernehmen Angehörige mitunter auch Behandlungspflege (z. B. Medikamente richten, Wundversorgung). Das ist grundsätzlich erlaubt; ohne entsprechende Pflegeausbildung können diese Leistungen jedoch nicht über die Krankenversicherung abgerechnet werden und gelten als private unentgeltliche Aufgaben.
Muss ich mich anstellen lassen?
Eine Anstellung ist freiwillig. Wie Pflege organisiert wird, hängt von Lebenslage, Pflegebedarf und Dauer ab. Möglich sind: weiter privat pflegen (ohne Lohn), punktuell Spitex-Fachpflege einbeziehen oder ein Mix aus beidem. Bei hohem Bedarf kann auch eine stationäre Versorgung dienlich sein. Für kurzfristige Situationen (z. B. nach Unfall/Operation) gibt es andere Entlastungen und Leistungen (z.B. Betreuungsgutschriften, Betreuungsgutscheine etc.); eine Anstellung ist vor allem bei langfristigen Pflegesituationen sinnvoll. Sie schafft Anerkennung, Struktur und Sicherheit im Pflegealltag – und hilft, Pflege verlässlich zu organisieren, ohne dass die Pflege dauerhaft auf Kosten der eigenen Gesundheit oder finanziellen Sicherheit geht.
Was wird entlöhnt – und was bleibt privat?
Grundlage ist eine standardisierte (Pflege-)Bedarfsabklärung vor Ort. Entlöhnt werden ausschliesslich effektiv erbrachte und von der Krankenversicherung vergütete Pflegestunden. Angehörige ohne Pflegeausbildung können für Grundpflege angestellt werden (aktuell 35.30 Fr./h brutto). Angehörige mit entsprechender Pflegeausbildung können zusätzlich Behandlungspflege abrechnen (45.00 Fr./h brutto). Betreuung, Beaufsichtigung, Haushalt, Fahrdienste und organisatorische Aufgaben bleiben private, nicht entlohnte Unterstützung – auch wenn sie im Alltag viel Zeit beanspruchen.
Rechte, Pflichten und Schutz
Eine Anstellung schafft rechtliche und fachliche Sicherheit. Voraussetzungen sind u. a. Arbeitsfähigkeit, Wohnsitz in der Schweiz, Einhaltung von Arbeits- und Ruhezeiten, sowie Alter und Aufenthaltsstatus. Zur Qualitätssicherung gehört die tägliche Verlaufsdokumentation. Je nach Organisationen gelten unterschiedliche Anforderungen an Ausbildung und Weiterbildung. Für pflegende Angehörige ist es deshalb wichtig, sich im Vorfeld über Qualitätsstandards, Begleitung und Erwartungen zu informieren.
Woran erkenne ich eine seriöse Organisation?
Achte auf fachliche Begleitung und Bildungsangebote (nicht nur Lohnzahlung), Sozialbeiträge, transparente Kommunikation, klare Abgrenzungen und regelmässige Abklärungen. Wertvoll sind Investitionen in Ausbildung und Qualität, eine Zusammenarbeit mit bestehenden Versorgungsstrukturen sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit finanziellen Mitteln. Ein Vertrauensanker ist die Mitgliedschaft bei Spitex Schweiz und eine gemeinnützige Ausrichtung: Mittel fliessen in Qualität, Begleitung und Weiterentwicklung – nicht in Gewinnmaximierung.
Warum es solicare gibt – und wie solicare unterstützt
solicare stärkt pflegende Angehörige fachlich, menschlich und strukturell – mit dem Ziel, Pflege zu Hause tragbar zu gestalten.
solicare unterstützt pflegende Angehörige ganzheitlich und alltagsnah:
· individuelle Einschätzung der Pflegesituation statt Standardlösungen
· fachliche Begleitung durch regionale und qualifizierte Pflegefachpersonen
· persönliche Ansprechperson und einfache Kommunikationswege
· klare Rahmenbedingungen und transparente Abrechnung
· eine benutzerfreundliche App für die tägliche Verlaufsdokumentation
Als Mitglied von Spitex Schweiz haben wir uns bewusst für verbindliche Qualitätsstandards entschieden. Dazu gehört, dass pflegende Angehörige bei solicare innert eines Jahres nach Anstellung den Lehrgang QualiMio absolvieren. Diese Anforderung verstehen wir nicht als Hürde, sondern als Unterstützung für Sicherheit, Qualität und Entlastung im Pflegealltag. Der Lehrgang baut auf vorhandener Erfahrung auf, ist zeitlich flexibel, praxisnah gestaltet und fördert den Austausch unter pflegenden Angehörigen.
Ergänzend bieten wir juristische Unterstützung in Versicherungsfragen sowie die gemeinsame Planung von Entlastungen und Auszeiten.
Pflege muss nicht allein getragen werden. Wer sich informiert, Unterstützung annimmt und Entscheidungen gut abwägt, schafft die Grundlage für eine würdevolle Begleitung im Alter – heute und mit Blick auf morgen.